Chancen- und Risikobericht | Finanzbericht 2016

Finanzbericht 2016
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Finanzbericht 2016 Jahresabschluss

Chancen- und Risikobericht

Einer der wesentlichen Chancen- wie auch Risikofaktoren für das Erzbistum Köln ist die Entwicklung der Kirchensteuererträge. Schwankungen beim Kirchensteueraufkommen ergeben sich aus Veränderungen der Bemessungsgrundlage, nämlich der Einkommens-, Lohn- und Kapitalertragssteuer. Diese entziehen sich weitgehend kirchlichem Einfluss. Positive Abweichungen des tatsächlichen vom prognostizierten Kirchensteueraufkommen bilden daher eine gewichtige Chance. Sie ergeben sich insbesondere dann, wenn sich die Volkswirtschaft besser entwickelt, als zum Planungszeitpunkt abzusehen war.

 

Aber auch Veränderungen hinsichtlich Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder, wie sie insbesondere durch Migrationseffekte eintreten können, lassen sich nur schwer prognostizieren. Da insbesondere die Städte Düsseldorf, Köln und Bonn seit einigen Jahren an wirtschaftlichem Gewicht gewinnen, profitieren sie tendenziell von Migrationsbewegungen. Für das Erzbistum Köln eröffnet dies die Chance auf positive Effekte hinsichtlich der Mitgliederzahl und der Mitgliederstruktur, wenn verstärkt wirtschaftlich aktive Kirchenmitglieder zuwandern.

 

Als wichtigste Ertragsposition des Erzbistums Köln ist die Ertragsentwicklung aus Kirchensteuern gleichzeitig ein großer Risikofaktor. Die Gefahr negativer Abweichungen des tatsächlichen vom prognostizierten Kirchensteueraufkommen hat erhebliches Gewicht, zumal das Kirchensteueraufkommen nicht direkt aus kirchlichen Aktivitäten resultiert. Kirchliche Aktivitäten und die entsprechenden Strukturen lassen sich aber bei ungeplant sinkenden Kirchensteuererträgen nicht kurzfristig reduzieren. In diesem Fall drohen Finanzierungslücken.

 

Neben der Mitgliederzahl und der Mitgliederstruktur ist das Kirchensteueraufkommen stark von wirtschaftlichen Parametern abhängig. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, die Inflation, die Beschäftigungsentwicklung und die Steuerquote. Diese Einflussfaktoren lassen sich im Planungsprozess lediglich prognostizieren, was angesichts der Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge nur mit erheblichen Unsicherheiten möglich ist.

 

In den vergangenen Jahren war die Wachstumsdynamik in Nordrhein-Westfalen häufig schwächer als in den südlicheren Bundesländern. Tendenziell sinkt deshalb der Anteil des Erzbistums Köln am Gesamtaufkommen der Kirchensteuer in Deutschland. Eine Fortsetzung oder Verstärkung der Wachstumsschwäche in Nordrhein-Westfalen bildet deshalb ein gravierendes Risiko für die Ertragssituation des Erzbistums Köln. Aufgrund der großen Zahl überregionaler Arbeitgeber mit zentralen Gehaltsabrechnungsstellen bedeutet zudem das sogenannte Kirchensteuerclearing (Kirchenlohnsteuer-Verrechnungsverfahren) für das Erzbistum Köln ein besonderes Risiko.

Finanzierung der Erzbischöflichen Schulen

Ein weiteres Risiko für die Ertragssituation des Erzbistums Köln ergibt sich aus der Finanzierung der Erzbischöflichen Schulen als Ersatzschulen durch das Land Nordrhein-Westfalen. Durch das Ersatzschulfinanzgesetz sind diese Einrichtungen mit einer Refinanzierungsquote der anerkennungsfähigen Kosten von 94 Prozent abgesichert. Gesetzliche Änderungen, die zu einer verschlechterten Refinanzierung führen, sind aber grundsätzlich nicht auszuschließen.

Pensionsverpflichtungen

Auf der Aufwandsseite stellen mittelbare Pensionsverpflichtungen des Erzbistums Köln ein Risiko dar. Die Mitarbeitenden haben einen Anspruch auf eine Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung. Die Durchführung ihrer Versorgung übernimmt die Kirchliche Zusatzversorgungskasse (KZVK), sodass für diese Mitarbeitenden ein mittelbarer Anspruch gegen das Erzbistum Köln besteht.

 

Die KZVK hat in ihrem Jahresabschluss 2015 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von rund 7 Mrd. Euro ausgewiesen. Seit 2016 wird ein Finanzierungsbeitrag erhoben, um die Deckungslücke eines geschlossenen Abrechnungsverbandes über einen Zeitraum von 25 Jahren zu schließen. Für den übrigen Finanzbedarf hat die KZVK mit der schrittweisen Erhöhung der Beiträge bereits Maßnahmen ergriffen, um auch diese Lücke sukzessive zu schließen. Das Erzbistum Köln geht davon aus, dass die KZVK auch in Zukunft alle Zahlungsverpflichtungen erfüllen wird und es nicht zu einer Einstandspflicht des Erzbistums kommen wird.

Zuweisungen und Zuschüsse an Kichengemeinden

Weitere Risiken ergeben sich aus Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen an die Kirchengemeinden und die übrigen pastoralen Einrichtungen und Körperschaften im Erzbistum Köln, die ihre Aktivitäten zu einem großen Teil über Zuweisungen des Erzbistums Köln finanzieren. Insbesondere aus der Trägerschaft von Kindertagesstätten ergeben sich finanzielle Risiken, da das Land Nordrhein-Westfalen eine pauschale Finanzierung pro Kind auf Grundlage des Kinderbildungsgesetzes vornimmt. Soweit die jährliche Anpassung der vom Land gezahlten Kinderpauschalen nicht ausreicht, um steigende Kosten zu decken, erhöht sich der Trägeranteil am Gesamtaufwand der Kindertagesstätte. Hier besteht das Risiko, dass die Kirchengemeinden als Träger höhere Aufwendungen nicht werden finanzieren können und daraus dem Erzbistum Köln ein höherer Aufwand aus Zuweisungen und Zuschüssen erwächst.

Niedrigzinsphase

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der Euro länder ist im August 2016 auf ein neues Allzeittief von 0,51 Prozent gesunken. Seitdem hat sich die Rendite zwar spürbar erhöht, doch die bereits seit Längerem anhaltende Niedrigzinssituation setzt sich weiter fort. Eine nachhaltige Rückkehr zu deutlich höheren Zinsen ist derzeit nicht erkennbar. Dies hat Auswirkungen auf die Rückstellungen und Rücklagen für langfristige Verpflichtungen. Es besteht das Risiko, dass keine ausreichenden Kapitalerträge erzielt werden können, um die kalkulierten Beträge zur Deckung der Verpflichtungen zu erzielen. In diesem Fall müssten die Zinserwartungen auf das zurückgestellte beziehungsweise zurückgelegte Kapital weiter gesenkt und eine zusätzliche Dotierung der Rückstellungen und Rücklagen aus Kirchensteuermitteln vorgenommen werden.