Ausblick | Finanzbericht 2017

Ausblick

Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die gute Konjunktur der deutschen Wirtschaft hält an, obgleich die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts im ersten Vierteljahr 2018 deutlich geringer ausfiel als in den sehr starken Quartalen des Jahres 2017. Trotz einer zunehmenden Auslastung der Wirtschaft sind derzeit keine Überhitzungsanzeichen auszumachen.

Die Kapazitätsauslastung in vielen Branchen sowie daraus resultierende Kapazitätsengpässe und die Arbeitskräfteknappheit können das Wirtschaftswachstum zwar hemmen, die derzeitige Dynamik aber nur leicht bremsen.

Entwicklung der Kirchensteuererträge

Für die Kirchensteuerentwicklung sind die starke Konjunktur und die steigenden Beschäftigungszahlen mit höheren Zuwächsen von Löhnen und Gehältern von besonderer Bedeutung. Die Relation von Arbeitslosen zu offenen Stellen hat in Deutschland inzwischen den niedrigsten Stand seit 25 Jahren erreicht. Aufgrund einer fortgesetzt starken Erwerbsmigration ist jedoch auch weiterhin mit einem Anstieg der Erwerbstätigenzahl zu rechnen.

Ein ebenfalls sehr wichtiger Faktor für die Höhe der Kirchensteuererträge ist die Steuerquote. Diese hat mit 23,9 Prozent zwar ihren höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht, doch gibt es derzeit keine fiskal-politischen Signale, die einen Rückgang der Steuerquote erwarten lassen.

Des Weiteren spielt für die Prognose der Kirchensteuererträge die Mitgliederzahl des Erzbistums Köln eine wichtige Rolle. Die Katholikenzahl im Erzbistum ist im Jahr 2017 weiter auf 1.971.823 gesunken. Wesentlicher Grund für den erneuten Rückgang der Mitgliederzahl ist die demografische Entwicklung, wonach jedes Jahr mehr Katholiken sterben, als durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen werden. Gleichzeitig beeinflussen auch Austritte aus der katholischen Kirche die Mitgliederzahlen. 2017 lag die Zahl der Austritte im Erzbistum Köln mit 13.931 Menschen und einer Quote von 0,7 Prozent zwar deutlich unter den Werten der Vorjahre, aber weiterhin über dem langjährigen Mittel. Für das Jahr 2018 erwartet das Erzbistum eine Fortsetzung des Rückgangs der Katholikenzahl in Höhe von rund 1 Prozent. Dabei sollte sich neben der demografischen Komponente des Sterbeüberschusses auch die Tendenz leicht sinkender Austrittszahlen fortsetzen, gleichzeitig aber ein positiver Saldo aus Fort- und Zuzügen den Mitgliederrückgang dämpfen.

Das Erzbistum Köln rechnet für das Wirtschaftsjahr 2018 unter Berücksichtigung der oben genannten Faktoren mit einer Steigerung der Erträge aus Kirchensteuern gegenüber 2017 um rund 2,8 Prozent auf rund 674 Mio. Euro. Der Zuwachs des Kirchensteueraufkommens im ersten Halbjahr 2018 liegt diesbezüglich mit rund 2,2 Prozent im Zielkorridor der Planungen. Ob die prognostizierten Kirchensteuererträge erreicht werden, hängt neben der konjunkturellen Lage auch von der Jahresabrechnung der Kirchensteuerverrechnung ab, die Mitte des Jahres vom Verband der Diözesen Deutschlands erstellt wird. Unabhängig davon lassen die bisherigen Zahlen des laufenden Geschäftsjahres zum Kirchensteueraufkommen keine gravierende Abweichung von den Planzahlen erwarten.

Entwicklung der territorialen Seelsorge und Reorganisation der Rendanturen

Die Einführung von Verwaltungsleitungen in den Seelsorgebereichen im Erzbistum Köln wird auch 2018 fortgesetzt, um das pastorale Personal weiter von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und um auf diesem Wege die Seelsorge zu stärken. Gleichzeitig setzt das Erzbistum die Reorganisation der Rendanturen mit dem mittelfristigen Ziel fort, die Zahl der heute 14 Rendanturstandorte deutlich zu reduzieren. Um die Anpassung der heutigen Trägerschaften auf die Zielstruktur vorzubereiten, werden im laufenden Jahr 2018 dazu Gespräche mit den Gemeindeverbänden geführt.

Aufwandsentwicklung 2018

Für das Jahr 2018 sieht das Erzbistum Köln im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2017 eine Steigerung der Aufwendungen um etwa 1 Prozent vor. Dabei liegen die geplanten Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen mit 374,8 Mio. Euro rund 5,3 Mio. Euro über den im Jahr 2017 erreichten Zahlen. Grund dafür ist vor allem ein erhöhter Ansatz der Liquiditäts- und Defizitausgleichszahlungen im Bereich der Kindertagesstätten.

Die Planung der Personalaufwendungen berücksichtigt mit 342,5 Mio. Euro vor allem gestiegene Kosten der Altersversorgung. Der Ansatz liegt um etwa 11,1 Mio. Euro über dem Betrag, der im Wirtschaftsjahr 2017 aufgewendet wurde.

Für die sonstigen Aufwendungen sehen die Planungen des Erzbistums rund 135,9 Mio. Euro vor und liegen damit rund 11,6 Mio. Euro über den tatsächlich realisierten Zahlen im Jahr 2017, was vor allem auf nicht umgesetzte Projekte und Sondermaßnahmen im Wirtschaftsjahr 2017 zurückzuführen ist.

Das Finanzergebnis 2018 wird in Höhe von 19,7 Mio. Euro kalkuliert und liegt damit geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. Der Wirtschaftsplan sieht einen Jahres-überschuss von rund 7,9 Mio. Euro. vor, aus dem die notwendige Rücklagendotierung erfolgen soll.

Im Wirtschaftsjahr 2018 ist ein Investitionsvolumen von rund 41,6 Mio. Euro vorgesehen. Dies stellt eine Redu-zierung um knapp 11,5 Mio. Euro gegenüber den im Jahr 2017 geleisteten Investitionen dar und ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass große Bauprojekte wie zum Beispiel der Umbau der Jugendbildungsstätte Altenberg oder die Baumaßnahme am Klarissenkloster in Köln im letzten Jahr abgeschlossen wurden.

Um absehbaren Trends rechtzeitig Rechnung zu tragen, verfolgt das Erzbistum Köln eine vorsichtige Finanzpolitik. Gleichzeitig ist es darauf bedacht, Handlungsfähigkeit bei aktuellen Entwicklungen und kurzfristigen Herausforderungen zu gewährleisten. Die Aufnahme und Integration vieler Flüchtlinge fordert das Erzbistum Köln, wie bereits in den Vorjahren, in praktischer, organisatorischer und finanzieller Hinsicht. Diese Aufgabe wird nicht kurzfristig zu bewältigen sein, sie wird die Kirche im Erzbistum Köln auch in den kommenden Jahren beanspruchen.