Nachhaltigkeit und Kapitalanlagestrategie

Finanzbericht 2017

Nachhaltigkeit: Grundlagen guten Lebens

Das Erzbistum Köln setzt auf Transparenz gegenüber Kirchenmitgliedern und Öffentlichkeit. So legt der jährliche Finanzbericht detailliert die Finanz- und Vermögenslage des Erzbistums offen und folgt dabei den Regeln, die das Handelsgesetzbuch für große Wirtschaftsunternehmen vorsieht.

Neben den Finanzen werden unter dem Begriff Nachhaltigkeit zunehmend die sozialen, ökologischen und ökonomischen Wirkungen von Unternehmen und Organisationen betrachtet. Deshalb wird das Erzbistum künftig regelmäßig an dieser Stelle über die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit berichten.

Dabei orientiert sich das Erzbistum an gängigen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das Erzbistum Köln hat die für die kirchliche Arbeit in der Diözese wesentlichen Handlungsfelder zur Nachhaltigkeit identifiziert. Die Themenbereiche Umwelt, Personal, soziale Aktivitäten, Prävention und Kapitalanlagemanagement bestimmen die Struktur der Berichterstattung.

Das Kapitalanlagemanagement des Erzbistums Köln ist darauf ausgelegt, der Kirche die Erfüllung ihrer Aufgaben zu ermöglichen und langfristig zu sichern. Bei der Kapitalanlage spielen christliche Wertvorstellungen, unter anderem der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung, insbesondere bei der Auswahl der jeweiligen Kapitalmarktinstrumente eine wichtige Rolle. Aufgrund des erheblichen Umfangs der angelegten Mittel ist die Kapitalanlage ein bedeutender Faktor in der Nachhaltigkeitsbilanz des Erzbistums. Mehr dazu s.u.

Kirche wirkt in der Welt durch Menschen und ihre Arbeit. Deswegen ist es dem Einsatz der hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, dass das Erzbistum Köln in Seelsorge, Caritas und Bildung sowie in vielfältigen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen Dienst für Menschen anbieten kann. So wird das Erzbistum seine Aufträge erfüllen und damit einen Beitrag in der Gesellschaft leisten können.

Als wichtige Konsequenz der im Jahr 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wurden vielfältige Präventionsmaßnahmen ergriffen, um sexuellem Missbrauch im kirchlichen Raum entgegenzuwirken. Die gesamte Präventionsarbeit, die das Erzbistum Köln implementiert hat und kontinuierlich umsetzt, ist langfristig ausgerichtet. Sie betrifft ihre Organisation sowie alle damit verbundenen Maßnahmen.

Dem Maßnahmenfeld gesellschaftlicher Verantwortung wird das Erzbistum in besonderem Maße gerecht. Ein Großteil der jährlich verfügbaren Mittel wird für soziale Aktivitäten eingesetzt. Über den Umfang und die Verwendung der Mittel in verschiedenen Leistungsbereichen informiert das Erzbistum Köln bereits seit mehreren Jahren im Rahmen seiner Finanzberichte.

Das Erzbistum Köln gehört zu den größten Institutionen und Arbeitgebern in Nordrhein-Westfalen.

Einflussmöglichkeiten auf Umwelt und Klima ergeben sich unter anderem aus den eigenen Gebäuden, der dort genutzten Energie, dem Fuhrpark, der Fortbewegung der Mitarbeiter auf ihren Arbeitswegen sowie der Beschaffung von Geräten, Materialien und Lebensmitteln. Zudem kann das Erzbistum Köln Umweltschutzaktivitäten durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden sowie kirchlichen Verbänden und Institutionen fördern und unterstützen.


Der Finanzbericht 2017 geht detailliert auf das Kapitalanlagemanagement ein. Die übrigen Themenbereiche sind Gegenstand der Berichterstattung in den kommenden Jahren.

Kapitalanlagen-Management

Christliche Wertvorstellungen und Bewahrung der Schöpfung als Leitmotiv

Die Aktivitäten zur Sicherung des nachhaltigen Handelns im Erzbistum folgen einer grundlegenden Haltung, an der sich die jeweiligen Bereiche und Verantwortlichen orientieren. Die Mitarbeitenden der Kirche sind in Seelsorge, Caritas und Bildung für die Menschen da. So leistet die Kirche gleichzeitig auch einen Beitrag zu einer intakten und lebenswerten Gesellschaft. Dazu gehört natürlich auch der langfristige Erhalt der Schöpfung und damit der zum Leben notwendigen Ressourcen.

Denn die durch den Glauben begründete Hinwendung zum Menschen umfasst, über seelsorgerische und soziale Aspekte hinaus, auch den verantwortlichen Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen. Nachhaltigkeit ist die Konsequenz einer Grundhaltung, auf die Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ nochmals deutlich hingewiesen hat. Dieser Anspruch erstreckt sich auf alle wesentlichen Tätigkeitsfelder des Erzbistums Köln und umfasst seelsorgerische, soziale, ökologische und ökonomische Aspekte.

Verantwortliche Kapitalanlage

Grundsätzliche Aufgabe des Finanzmanagements des Erzbistums ist es, die laufende Umsetzung der kirchlichen Aufgaben zu unterstützen und zudem die langfristige Erfüllung dieser Aufgaben sowie die daraus resultierenden Verpflichtungen zu sichern. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, entsprechendes Vermögen vorzuhalten und zu verwalten. Das Kirchenrecht definiert dazu den Auftrag, diese Verwaltung „mit der Sorgfalt eines guten Hausvaters“ vorzunehmen und den Werterhalt des Vermögens sicherzustellen. Für die Kapitalanlage des Erzbistums ergeben sich dadurch die drei zentralen Ziele Sicherheit, Verfügbarkeit und Rentabilität.

Christliche Wertvorstellungen prägen wichtige Kriterien für die Anlagepolitik des Erzbistums, die zu dieser Zielstruktur hinzutreten. Bei einem Anlagevolumen von rund 2,7 Mrd. Euro haben sie wesentliche Bedeutung für die Nachhaltigkeitsbilanz und stehen gleichberechtigt neben den anderen Zielen. Da die Kriterien jedoch miteinander konkurrieren, ergeben sich im Rahmen der Anlageentscheidungen regelmäßig Zielkonflikte, die Kompromisse erfordern.

Die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Kapitalanlage gelten auch für das Erzbistum Köln. Die Steuerung von Risiken und Liquidität sind bei der Auswahl entsprechender Anlageprodukte auch für das Erzbistum Köln als Kapitalanleger unerlässlich. Die Kapitalanlage erfolgt auf Grundlage einer diversifizierten Strategie zur Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlagemöglichkeiten. Diese Allokation sieht eine feste Zusammensetzung von Anlageklassen mit optimaler Gewichtung und breiter Streuung einzelner Anlagearten vor. Allerdings wird dabei auf eine Maximierung der Erträge verzichtet und stattdessen ein angemessener Ertrag aus der Kapitalanlage angestrebt. Diese Selbstbeschränkung engt das verfügbare Anlageuniversum ein.

Grundsätzliche Vorgaben für die Kapitalanlagestrategie

Ethische Kriterien werden im Erzbistum bei der Kapitalanlage bereits seit vielen Jahren berücksichtigt, wobei 2017 explizit auch Umweltaspekte als Nachhaltigkeitskriterien hinsichtlich der zu treffenden Anlageentscheidungen aufgenommen wurden.

In diesem Zusammenhang nimmt das Erzbistum mit dem Ausschluss von Rohstoffinvestitionen aus dem verfügbaren Anlagespektrum eine erste wichtige Einschränkung seines Anlageuniversums vor. Diese Entscheidung geht vor allem darauf zurück, dass der Besitz von Rohstoffen für sich allein noch keinen Anspruch auf Einkommen begründet. Erträge aus dieser Investitionsform entstehen vor allem aus der Spekulation auf steigende Preise, was jedoch aus ethischen Überlegungen, insbesondere bei Lebensmitteln, abgelehnt wird.

Des Weiteren scheiden Hedgefonds als mögliche Anlageklasse für das Erzbistum aus, wenn nicht erkennbar ist, woraus sich im jeweiligen Geschäftsmodell des Hedgefonds der Anspruch auf Einkommen begründet, oder wenn offensichtlich Wetten die Grundlage der Geschäftspolitik sind.

Die verbleibenden Segmente für die Kapitalanlage umfassen somit Investitionen in Unternehmen, in der Regel in Form von Aktien oder Unternehmensanleihen, Anleihen staatlicher Emittenten sowie Immobilien. Das Erzbistum investiert in diese Anlagesegmente im Wesentlichen über Fondskonstruktionen, in denen einzelne Wertpapiere gebündelt werden.

Bei der Auswahl der Investments werden die vom Erzbistum definierten ethisch-nachhaltigen Kriterien berücksichtigt. Die Festlegung der Kriterien ist Ergebnis einer intensiven und breiten Diskussion, in die fortlaufend externe Experten ebenso wie der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat eingebunden werden. Hierbei ist zwischen den unverzichtbaren christlichen Werten der katholischen Kirche und den Anforderungen an ein professionelles Kapitalanlagemanagement abzuwägen. Der festgelegte Kriterienkatalog als Ergebnis dieses Abwägungsprozesses ist dann im weiteren Kapitalanlageprozess gesetzt und vom Anlageausschuss sowie beauftragten Vermögensverwaltern operativ umzusetzen. Konkret bedeutet dies, dass das Anlageuniversum zunächst anhand der festgelegten Bewertungskriterien durch einen externen Dienstleister, die imug Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Innovationen mbH, analysiert wird. Auf Grundlage der Analyse der imug erfolgt eine Auswahl von Wertpapieren anhand des Kriterienkatalogs des Erzbistums Köln. Dadurch wird die Finanzierung von Unternehmen, Staaten, Immobilien und Projekten ausgeschlossen, deren Tätigkeit oder Handeln beziehungsweise deren Nutzung (bei Immobilien) oder Ziele (bei Projekten) christlichen Wertmaßstäben fundamental widersprechen.

Die Anwendung der Auswahlkriterien kann allerdings im Einzelfall auch zu Zielkonflikten führen. Deshalb werden bestimmte Ausschlusskriterien mit Umsatzgrenzen hinsichtlich der entsprechenden Tätigkeiten von Unternehmen kombiniert.

Die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien wurde durch die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum Bilanzstichtag geprüft. Der schriftliche Bericht für 2017 benennt ein Investment aus dem Bereich Healthcare, das nach der Übernahme eines Herstellers von Verhütungsmitteln nicht mehr zulässig war. Das entsprechende Investment wurde im Frühjahr 2018 abgestoßen.

Ausschlusskriterien für Investitionen:

  • Gesundheitsservices im Zusammenhang mit Abtreibung
  • Produktion von Mitteln im Zusammenhang mit Abtreibung
  • Produktion von Verhütungsmitteln

Evidente Vorwürfe im Zusammenhang mit Bestechung und Korruption.

  • Evidente Vorwürfe hinsichtlich Verstößen gegen die Menschenrechtskonventionen
  • Evidente Vorwürfe zu Verstößen gegen das Verbot von Kinderarbeit im Unternehmen und in der Lieferkette
  • Evidente Vorwürfe zu Verstößen gegen das Verbot von Zwangsarbeit im Unternehmen und in der Lieferkette
  • Evidente Vorwürfe zu Verstößen gegen internationale Standards zur Nichtdiskriminierung im Unternehmen und in der Lieferkette

Produktion und Angebot von Pornografie, soweit eine Umsatzgrenze von 3 Prozent überschritten wird.

  • Produktion von Waffen und anderen Rüstungsgütern, soweit eine Umsatzgrenze von 10 Prozent überschritten wird
  • Produktion von strategisch bedeutsamen Teilen für Nuklearwaffensysteme, soweit eine Umsatzgrenze von 5 Prozent überschritten wird
  • Strategische Dienstleistungen im Zusammenhang mit Rüstungsgütern, soweit eine Umsatzgrenze von 10 Prozent überschritten wird
  • Produktion oder evidente Vorwürfe im Zusammenhang mit der Produktion von Streubomben
  • Produktion oder evidente Vorwürfe im Zusammenhang mit der Produktion von Landminen und Antipersonenminen
  • Evidente Vorwürfe in Bezug auf die Schädigung beziehungsweise Gefährdung der Biodiversität
  • Evidente Vorwürfe in Bezug auf schwerwiegende Umweltverschmutzung
  • Evidente Vorwürfe in Bezug auf die Produktion oder den Einsatz ozonzerstörender Chemikalien
  • Evidente Vorwürfe hinsichtlich einer öffentlichen Positionierung gegen das Kyoto-Protokoll
  • Besitz oder Betrieb von Atomkraftwerken ohne einen zeitlich fixierten Ausstiegsbeschluss

Erweiterte Kriterien

Erweiterte Kriterien im Energiesektor

Ökologische Zusammenhänge sind sehr komplex. Das macht die Anwendung von Ausschlusskriterien im Energiesektor sehr schwierig. Die Nutzung von Kohle, Öl und Gas widerspricht nicht per se christlichen Wertvorstellungen. Aufgrund der damit verbundenen Umweltbelastungen ist zur Bewahrung der Schöpfung jedoch eine Transformation auf andere Energieträger anzustreben. Um diese Entwicklung nachhaltig zu unterstützen, verfolgt das Erzbistum Köln bezogen auf Investitionen im Energiesektor einen Best-in-Class-Ansatz.

Der Energiesektor umfasst alle Unternehmen der Branchen Gas-, Wasser- und Energieversorgung, Strom-erzeugung und -versorgung, Öl- und Gasproduzenten sowie Bergbauunternehmen. Mit der Anwendung des Best-in-Class-Ansatzes sollen die vergleichsweise verantwortlich wirtschaftenden Unternehmen dieses Sektors identifiziert werden. Dazu erstellt der renommierte Dienstleister imug ein Ranking aller Unternehmen dieser Branchen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Auf diese Weise ist die Berücksichtigung einer Vielzahl von Nachhaltigkeitsaspekten möglich, die sich auf alle relevanten Bereiche der unternehmerischen Tätigkeit beziehen.

Auf Grundlage dieser Bewertung erfolgt dann die Auswahl der relativ besten Unternehmen. Von derzeit 340 Unternehmen, die dem Energiesektor zugerechnet werden, werden 164 als Best-in-Class-Unternehmen qualifiziert und sind deshalb grundsätzlich im Rahmen der Kapitalanlage weiter investierbar.

Normen bei Staatsanleihen

Bei der Kapitalanlage in Staatsanleihen wählt das Erzbistum Köln ein vergleichbares Vorgehen. Alle Staaten, die in hohem oder sehr hohem Maße die Religionsfreiheit beschränken, sind ausgeschlossen. Denn Religionsfreiheit ist ein in der Würde des Menschen begründetes Recht, ihre Bedingung ist Toleranz, die immer auch ein Gradmesser für Freiheits- und Menschenrechte insgesamt ist.

Zusätzlich findet bei der Auswahl von Staatsanleihen ein umfassendes Nachhaltigkeitsrating durch die imug Anwendung. In diesem Rating werden Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekte berücksichtigt. Im Ergebnis erhält jeder Staat eine Punktebewertung, die sich als gewichtete Summe aller Einzelkriterien errechnet.

Alle Staaten, die in diesem Rating einen festgelegten Schwellenwert nicht erreichen und somit die geforderten Mindeststandards nicht erfüllen, werden von der Kapitalanlage ausgeschlossen. Von insgesamt 91 Staaten mit Bedeutung auf den Kapitalmärkten werden derzeit auf der Grundlage dieses Nachhaltigkeitsrankings 33 Staaten ausgeschlossen.