Neupriester Joachim Meisner

Einkleidung des Neupriesters Meisner

In den 1960er und 70er Jahren gab es in Westdeutschland viele, auch private Initiativen zur Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern in der DDR oder in Polen. Zahlreiche Familien schickten Pakete mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken oder Hygieneartikeln „nach drüben“ zu Freunden oder Verwandten. Auch das Erzbistum Köln leistete vielfach Hilfe. Davon zeugen auch Aktenbestände des Historischen Archivs des Erzbistums. Einige dieser Hilfsgesuche finden sich heute in der Serie „Kleine Gaben zu Unterstützungszwecken“ in den Akten des Generalvikariates. Besonders der Kölner Generalvikar Josef Teusch (1952-1969), verstorben 1976, war stets zu großzügigen und unbürokratischen Aktionen bereit.

 

So wurde 1961 auch der Priesteramtskandidat Joachim Meisner aus Thüringen vom Erzbistum Köln unterstützt. Der Pfarrer seiner Heimatpfarre, Herbert Böttcher aus Mühlhausen, bat für ihn bei Generalvikar Josef Teusch um Stoff für einen Anzug und Talar. Böttcher war Kölner Diözesanpriester, kam 1943, ursprünglich als Seelsorger für ausgebombte Kölner, in die Nähe von Erfurt, und blieb schließlich den Rest seines Lebens dort. Nach Angabe der Maße des Weihekandidaten erhielt der spätere Kölner Erzbischof und Kardinal im Mai 1961 aus Köln zunächst schwarzen Anzugsstoff für Sakko, Hose und Weste und später noch für einen Talar. Er bedankte sich per Postkarte vom Erfurter Dom bei „Sepp“, Teuschs Sekretariatsmitarbeiter Joseph Will, für den „großartigen Stoff“. Unterzeichnet sind die Dankeszeilen mit „Dein Jochen Meisner“; offenbar kannten die beiden sich näher. Nach Abschluss seiner Priesterausbildung wurde Joachim Meisner am 22. Dezember 1962 in Erfurt zum Priester geweiht.

 

Ursula Brendt