Kunst im Neusser Rathaus

Ausstellung zur Integration der Neuen Nachbarn

Kunstausstellung im Neusser Rathaus

Fremd ist keine Eigenschaft, sondern ein Verhältnis.

 

Eröffnung am 15.02.2016 um 19.00 Uhr durch den Bürgermeister der Stadt Neuss, Reiner Breuer

Rede zur Ausstellung: Schulleiter Josef Burdich

 

Ort: Neusser Rathaus -  im alten Rathausfoyer

 

Der Kunstleistungskurses der Q1 begab sich unter der Leitung von Olaf Gruschka an die malerische Auslotung dieses Verhältnisses.

 

Leitgedanke  ist hierbei die Aussage von Walter Benjamin: „Wider eine Ästhetisierung der Politik ist eine Politisierung der Kunst gefordert.“ ( Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit)

 

Die Schülerinnen zeigen die Problematik des „Fremden“ in großen Formaten.  Kardinal Woelki als der maßgebliche Ideengeber für die Aktion „Neue Nachbarn“ im Erzbistum Köln wird in vielen Bildern gezeigt. In Kombination mit den gezeigten Porträts verwirklicht sich der gemeinsame Nenner der Ausstellung:  „Menschsein“

 

Insgesamt werden ca 40 großformatige Arbeiten gezeigt.

 

 

 

 

Integration der Neuen Nachbarn

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki appellierte: " Wir müssen uns jetzt für Menschen auf der Flucht und die Integration der Neuen Nachbarn in unsere Gesellschaft einsetzen und nicht Obergrenzen einführen oder das Asylrecht aushöhlen. Jetzt ist die Zeit, um gute Strukturen für eine Integrationskultur in Deutschland und Europa aufzubauen und damit den Herausforderungen der kommenden Jahre zu begegnen. "


Über eine dokumentierte Willkommenskultur hinaus, die mitunter den Aktionismus eben noch tou­chie­rt, zeigt der Kunstleistungskurs  Annäherungen an das Fremde, Unbekannte und kollidiert bewusst mit unserer  Transparentgesellschaft, deren Primat es ist, Handlungen, Ereignisse und auch Menschen zu operationalisieren, sie einem berechen-, steuer- und kontrollierbaren Prozess unterzuordnen. Wir zeigen Bilder, die uns über etwas ins Bild setzen. Sich über etwas ins Bild setzen bedeutet: das Seiende vor sich zu stellen und es vor sich zu haben. Dies ist nicht gleichbedeutend mit den Informationen medialer Bilder, die uns belästigen. Mediale Bilder sind  bestenfalls Simulakren, die kein Seiendes repräsentieren, vielmehr ein Eigenleben als multimediale Informationsmasse führen. Sie sind ein Ge-Menge ohne repräsentative Relevanz und Wahrheit. Jenseits dieser Hyperinformation, deren Durchsichtigkeit nicht hellsichtig macht, zeigen die 24 Schülerinnen des Kunstleistungskurses ihre visuellen Standpunkte.

 

Die Marienberger Schülerinnen des Kunstleistungskurses wissen, dass „fremd“  keine Eigenschaft ist , die ein Subjekt oder Objekt für ein betrachtendes Subjekt hat, sondern ein Verhältnis darstellt , in dem sich ein Subjekt zu dem Gegenüber positioniert. Die Bezeichnung „fremd“ verdeutlicht eine Beziehung zu dem, was als jeweils Eigenes empfunden wird und diesem nicht zugehörig zu sein scheint.

 

 

Flucht im Zeitalter des Internets

Der Flüchtling mit Smartphone ist nicht mehr mit den Flüchtlingen vor 50 Jahren, als es noch kein Internet gab, vergleichbar. Er mag uns fremd erscheinen, steht aber immer schon in einer ökonomischen, virtuellen und ontologischen Beziehung zu uns, da die Bedeutung topografischer Grenzmarkierungen sich marginalisierte.  Religionen, Geisteshaltungen, Wissen und Kulturen sind nicht mehr an  Räume gebunden, die sichtbare Abgrenzungen erlaubten. Der Beziehungsstatus des „Fremden“ zu uns ist intensiver geworden, die Akzeptanz geringer. 1961 schrieb der Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan, dass die visuelle, individualistische Druckkultur bald durch eine sogenannte elektronische gegenseitige Abhängigkeit abgelöst werde. In dieser Periode werde die Menschheit vom Individualismus und der Trennung abrücken und eine kollektive Identität auf Stammesbasis annehmen. McLuhan nannte diese Sozialstruktur „Globales Dorf“. In derselben Geschwindigkeit, mit der die Welt zusammenrückte, nahmen jedoch offenbar auch die Abwehrhaltungen und Abgrenzungen zu Fremden immer mehr zu.

 

Das Recht, Chancen zu haben

Migranten, so Hannah Arndt (1906–1975), haben nicht nur das Recht, Rechte zu haben, sondern sie haben auch das Recht, Chancen zu haben. Es ist dieses Recht auf Verwirklichungschancen, mit dem wir in der Migrationsfrage konfrontiert sind. Nun ist aber klar, dass nicht jeder Mensch dazu verpflichtet sein kann, anderen Chancen zu bieten. Besonders kann niemand zu einer Leistung verpflichtet werden, die er nicht erfüllen kann.

Jede Pflicht muss auf das Machbare beschränkt sein. Diesen Grundsatz kannte bereits das römische Recht. Niemand trägt Schuld daran, zufällig in einer Weltgegend geboren worden zu sein, wo solche Verwirklichungschancen nicht bestehen. Deshalb kann auch niemand abgewiesen werden.
Wer an einer Grenze abgewiesen wird, verliert konkrete Chancen, sich ein neues besseres Leben aufzubauen.

Aus Willkommenskultur müsse, so das Erzbistum Köln, eine Integrationskultur werden.

 

Die Einrichtung eines Schulplatzes für einen Schüler mit Fluchterfahrung ab dem 1. Februar 2016 pro Klasse einer erzbischöflichen Schule ist der vorgesehene Weg, um eine Integration zu gewährleisten.

Bereits im November 2014 hat Kardinal Woelki die Aktion Neue Nachbarn ins Leben gerufen, die Flüchtlingshelfer im Erzbistum Köln unterstützt, vernetzt und fördert. An Gemeinden und Initiativen im Erzbistum Köln werden Zuschüsse für die Flüchtlingshilfe ausgezahlt. Engagierten werden Informationen, Ansprechpartner und neue Ideen geboten. Zunächst lag der Schwerpunkt der Aktion auf der Schaffung einer Willkommenskultur. Inzwischen setzt sich das Erzbistum Köln verstärkt für eine Integrationskultur ein. In den Jahren 2015 und 2016 wurden für die Aktion Neue Nachbarn und die Flüchtlingshilfe vom Erzbistum Köln insgesamt 27,5 Millionen Euro bereitgestellt. Außerdem ist die Flüchtlingshilfe Thema in der alltäglichen Arbeit vieler Bereiche.

 

Kultur ist ein prozessualer Begriff

„Wo Werte sich entwickeln sollen, müssen Werte bereits gelten.“ (aus der Zeitschrift: Hohe Luft_Spezial WERTE, 1/2016, Seite 25)
Wir müssen Migranten nicht unsere Kultur aufdrängen, denn Kultur ist ein prozessualer Begriff. Wir müssen allerdings erwarten, dass sie das Grundgesetz respektieren, oder wir müssen sie dazu befähigen. Wer hier leben will, muss seine gebotenen Chancen wahren und mit seinem Beitrag den Wohlstand vergrößern, von dem er profitieren will.


Schule muss eine politische Werteerziehung leisten, die die Genese der Migranten bedenkt, und darf sich nicht auf eine uns selbstverständlich gewordene, ausschließlich ökonomische Ausrichtung von Bildung verlassen.