Drei, zwei, eins… – Wie die Kirchengemeinde Borr eine Orgel ersteigerte

Die Pfarrei St. Martinus in Erftstadt-Borr hat nur 250 Mitglieder. Eine neue Orgel schien da ein Traum zu bleiben. Doch eine Online-Auktion und viel guter Wille brachten die Lösung.

8. Dezember 2019
Kirchenmusiker Donatus Haus

Erftstadt. Das Gebot steht: 25.200 Euro für eine Orgel der Firma Paschen aus Kiel. Drei Manuale, zehn Register, Baujahr 1981. Nur noch wenige Minuten, dann gehört das Instrument der kleinen Pfarrei St. Martinus in Erftstadt-Borr. Deren Kirchenvorstandsvorsitzender Frank Müssig hat das Gebot eben in seinen Computer getippt.

Zu kaufen gibt es die Orgel in einer Online-Auktion des Zolls im Herbst 2017. Ein Gebot muss bei dieser Versteigerung fünf Minuten ohne Gegengebot stehen bleiben – erst dann hat der Bieter das Objekt erstanden. Während die Uhr lief, beratschlagte sich Müssig am Telefon mit Kirchenmusiker Donatus Haus, der die Auktion von seinem Büro aus verfolgte. „Das war so spannend“, erinnert sich Haus. „Ich konnte nicht mehr ruhig sitzen.“

Einige Monate zuvor hatte Haus über einen Bekannten erfahren, dass der Zoll demnächst Orgeln verkaufen würde. In die Online-Auktion kommen aussortierte Bundesmittel – in diesem Fall drei alte Orgeln der staatlichen Musikhochschule in Köln. Haus erkannte die seltene Gelegenheit. Die Pfarrei in Borr hatte bis dahin nur eine Leihorgel des Erzbistums Köln, für die sie Mietgebühren entrichten musste.

Seit 1994 arbeitet Haus als Kirchenmusiker im Seelsorgebereich Erftstadt-Börde. Die Orgel faszinierte ihn schon als Kind. „Wenn man in eine Kirche geht, in der eine Orgel spielt, kann man eines immer wieder beobachten: Die Menschen sind irgendwie ergriffen“, stellt der 54-Jährige fest. „Die Orgel hat etwas Mystisches, etwas Geheimnisvolles. Das packt einen.“

Nachdem Haus von der anstehenden Zoll-Auktion erfahren hatte, spricht er mit dem Borrer Kirchenvorstand wegen der Finanzierung. Allerdings konnte er dem Gremium keinen konkreten Anschaffungspreis nennen. „Man weiß ja nie, wie so eine Auktion ausgeht“, sagt Haus. Trotzdem: Der Kirchenvorstand zieht mit.

 

 

Im Herbst war es dann so weit: Die Paschen-Orgel war online, Kirchenvorstandsvorsitzender Müssig steigerte mit. Los ging es bei 15.000 Euro. In Hunderterschritten kletterte der Preis langsam nach oben und landete schließlich bei 25.200 Euro. Nur noch zehn Sekunden, dann waren die vorgeschriebenen fünf Minuten vorbei. Dann würde die Orgel der Borrer Pfarrei gehören. Müssig und Haus verabredeten sich schon, um abends den Kauf zu feiern. „Und zack – kam ein anderer und bot mehr Geld“, erzählt Haus. „Das war eine nervenaufreibende Sache.“ Bei 25.400 Euro kam schließlich kein Gegenangebot mehr dazwischen. Borr hatte sich das Instrument gesichert.

Bald nahm Müssig Kontakt mit dem Eigentümer, der Musikhochschule Köln, auf. Man einigte sich, dass die Orgel bis Ende des Sommersemesters 2018 in der Hochschule bleiben soll. Die Gemeinde hatte also noch ein wenig Zeit, bevor sie die Anschaffungskosten begleichen musste. Zur Rechnung kamen allerdings Abbau, Aufbau, Intonierung sowie Schreiner- und Elektroarbeiten hinzu. Alles in allem musste die Gemeinde knapp 50.000 Euro auftreiben. 

Doch die Borrer ließen sich nicht unterkriegen. Dank des Engagements von Müssig und Haus fanden sich für alle 505 Orgelpfeifen Patenschaften. Der Verkaufsschlager war das „Borrer Orgelbier“, das Haus und sein Team mit Unterstützung des Braumeisters Klaus Keller in dessen Brauererei "bluecat" brauten. Mehr als tausend Flaschen gingen über die Theke. Hinzu kamen Einnahmen aus Benefizkonzerten und Privatspenden. Am 16. September 2018 wurde die Orgel schließlich geweiht. Der Kirchenmusiker zeigt sich zufrieden. „Sie ist sehr zuverlässig“, sagt er. „Und vor allen Dingen: Wir haben jetzt ein eigenes Instrument.“