Im Doppelpack – Die neuen Orgeln in der ehemaligen Abteikirche in Brauweiler

Immer wieder kommen Orgel-Experten nach Brauweiler. Der Grund: Sie wollen die Lösung, die in der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus umgesetzt wurde, begutachten. Dort stehen gleich zwei Orgeln.

16. Dezember 2019

Pulheim. Zwei Orgeln in zehn Jahren – in Rekordzeit hat die Pfarreiengemeinschaft Brauweiler-Geyen-Sinthern gleich zwei musikalische Großprojekte umgesetzt. In der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus in Brauweiler steht seit 2018 eine neue Chororgel nebst der neuen Barockorgel, die erst fünf Jahre zuvor geweiht worden war. Oder besser gesagt: Die Instrumente hängen in der Kirche. Beide Orgeln sind an Eisenträgern in der Decke oder der Wand angebracht.

„Wenn man den ersten Ton einer neuen Orgel spielt – das bewegt einen schon“, erzählt Kirchenmusiker Michael Utz. Sowohl bei der großen Orgel barocken Typs mit ihrem prachtvollen Prospekt als auch bei der romantisch disponierten Chororgel wurde dem 46-Jährigen diese Ehre zuteil.

Seit 2003 arbeitet der gebürtige Braunschweiger als hauptberuflicher Seelsorgebereichsmusiker in Brauweiler-Geyen-Sinthern. Klavierspielen lernte Utz bereits mit fünf Jahren. Zur Orgel kam er dann als Teenager. „Irgendwann gab es in der Gemeinde einen Engpass. Da hieß es: Der Michael kann doch Klavier spielen. Kann der uns nicht aushelfen?“, erinnert sich der Kirchenmusiker.

Zu dieser Zeit sang er außerdem im Braunschweiger Kinder- und Jugendchor und spielte Bratsche im Jugend-Sinfonieorchester. „Irgendwann wollte ich die Orgel richtig lernen“, erzählt Utz. In seiner protestantisch geprägten Heimat wandte er sich an den Kirchenmusiker der evangelischen Nachbargemeinde. „Mich hat beim Orgelspiel schon immer gereizt, wie Klang und Raum zusammenwirken“, erklärt er seine Motivation. „Wenn ich an der Orgel saß und geübt habe – dieses Gefühl, ich habe den ganzen Raum mit diesem Instrument für mich alleine – das ist faszinierend.“

 

Utz studierte schließlich Kirchenmusik in Hannover und schloss ein Kapellmeisterstudium in Berlin an. Im niederländischen Groningen spezialisierte er sich auf historische Aufführungspraxis an der Orgel.

Mit den Gegebenheiten in Brauweiler war der Kantor zunächst nicht zufrieden. Die Barockorgel stammte aus den Sechzigerjahren – und das habe man auch gehört, sagt er: „Die Orgel klang etwas spitz und nicht grundtönig genug.“ Außerdem habe die veraltete Technik immer wieder gestreikt.

Ein weiteres Manko sei die Position des Spieltischs gewesen, mit dem Utz die Barockorgel auf der Empore bediente. Der stand nämlich unten im Chorraum. Der Organist saß also etwa 15 Meter von dem Instrument entfernt, das er spielte – eine akustische Herausforderung, vor allem wenn sonntags die zahlreichen Gottesdienstbesucher mitsangen.

Um Abhilfe zu schaffen, gründeten die Brauweiler 2008 einen Orgelbauverein. Über Spenden, Pfeifenpatenschaften sowie Zuschüsse von Erzbistum und Land konnten sie die neuen Instrumente finanzieren.

Jetzt ist der Spieltisch für die Barockorgel nach historischem Vorbild oben auf der Empore eingebaut. Dort finden allerdings nur eine Handvoll Menschen Platz – zu wenig für einen ganzen Chor. Um die Sängerinnen und Sänger zu begleiten, nutzt Utz daher sein zweites Instrument, die Chororgel, deren Spieltisch unfern der Gruppen steht. „Ich bin wirklich total glücklich über diese Lösung“, sagt der Kirchenmusiker. „Außerdem bekommen wir viel Zuspruch von außerhalb.“ Regelmäßig besuchen Orgel-Experten die ehemalige Abteikirche, um sich das Brauweiler-Konzept anzusehen.

Einer der bewegendsten Momente in Utz Musikerkarriere war die zweite Orgelweihe im März 2018, zehn Jahre nach Gründung des Orgelbauvereins. Zusammen mit einem Kollegen spielte er „Grand Choeur Dialogué“ von Eugène Gigout – ein Stück für zwei Orgeln. „Das war überwältigend.

In der Orgelkonzertreihe der Abteikirche, die es seit 1973 gibt, treten immer wieder namhafte Künstler in Brauweiler auf. Weitere Informationen: www.kirchenmusik-brauweiler.de