(c) Julia Rosner

Arbeiten für den Papst

  • 04.10.18 22:18
  • Julia Rosner
  •   Im Auftrag des Herrn

In Köln laufe ich jeden Morgen auf meinem Weg zur Arbeit am Dom vorbei. Da ich in einer kleinen Stadt mit kleinen Kirchen aufgewachsen bin, löst der Blick auf die Hohe Domkirche zu Köln jeden Tag neu ein Gefühl der Ehrfurcht in mir aus. Rom toppt das Ganze noch ein wenig. Während ich mich auf dem Weg zur Arbeit an den vielen Touristen auf der Engelsbrücke vorbeischiebe, geht mein Blick automatisch immer nach links. Dort fügt sich die „Ponte Vittorio Emanuele II“ malerisch in das typisch italienische Stadtbild mit den mediterran orange- und gelbgestrichenen Palazzi ein. Schon immer mochte ich diese alte Brücke. Sie verbindet das historische Stadtzentrum mit dem Zentrum der Weltkirche: dem Vatikanstaat. Hinter der Brücke erkennt man die eindrucksvolle Kuppel der Petersbasilika. Für mich ist dies das schönste Motiv Roms. Es ist fantastisch, das jeden Morgen nicht nur als Desktophintergrund auf meinem Laptop, sondern ganz real genießen zu können.

Historischer Arbeitsweg

 (c) Julia Rosner

Überquert man die Engelsbrücke stößt man auf die Piazza Pia. Sie kreuzt die Via della Cociliazione, die der direkte Zugang zum Vatikanstaat ist. In der Piazza Pia liegen in einem vierstöckigen Gebäude die „Heiligen Hallen“ von Vatican News (früher Radio Vaticana). Für zwei Monate ist die „Sezione tedesca“, die deutschsprachige Abteilung, mein Arbeitsplatz.

Nachdem ich am ersten Arbeitstag alle Zugänge zum vatikanischen Computersystem genehmigt bekommen habe – was für italienische Verhältnisse ungewöhnlich schnell ging – bekam ich direkt die erste Aufgabe gestellt. Zum „Warmwerden“ sollte ich eine italienische Meldung ins Deutsche übersetzen und daraus einen Artikel für die Website schreiben. Zu Beginn meiner Hospitation war das eine Herausforderung. Ich habe zwar drei Jahre lang Italienisch im Studium belegt, aber das ist einige Zeit her. Nach mehrfachem Lesen und mithilfe eines Nachschlagewerks konnte ich jedoch herausbekommen, dass der Papst Motorsportler empfangen und sie für ihr nächstes Rennen gesegnet hat. Anschließend durfte ich aus meinem Artikel einen Radioaufsager für die Nachrichten bauen und diesen einsprechen. Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben könnte, dass ich ziemlich stolz war, mich im Radio mit dem Absager: „Das war Julia Rosner für Vatican News“ melden zu dürfen. Damit war der erste Tag auch geschafft.

Erster Live-Kommentar

 (c) Julia Rosner

In den nächsten Tagen kamen zu den italienischen Meldungen noch englische und französische hinzu. Zwischen den verschiedenen Sprachen zu springen, die ich irgendwann einmal gelernt habe, fiel mir anfangs schwer. Mittlerweile habe ich mich jedoch daran gewöhnt – auch, wenn ich manchmal nicht mehr auseinanderhalten kann, welches Wort aus welcher Sprache kommt. Doch nicht nur das Verarbeiten von Informationen, die Vatican News erreichen, ist nun mein täglicher Job, auch die Themensuche, das Interviewführen und der Besuch von Terminen gehören dazu.

Aus den recherchierten Informationen gilt es Artikel zu schreiben und Radiobeiträge zusammenzubasteln. Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich das Live-Kommentieren einer Papstmesse, die im Fernsehen übertragen wurde. Dafür durfte ich mit entsprechendem Ausweis in den Vatikan hinein - vorbei an der Sixtinischen Kapelle und der Papstloggia ging es zu den Sprecherkabinen in St. Peter. Hier sitzen bei der Fernsehübertragung von Papstmessen oder anderen großen Veranstaltungen Journalisten und übersetzen das Gesprochene aus dem Italienischen in die verschiedenen Ländersprachen. Gemeinsam mit einem Kollegen aus der deutschsprachigen Redaktion durfte ich Teil des Teams sein und selbst live sprechen – ein unglaubliches Erlebnis!

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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