(c) Julia Rosner

Bischofssynode zum Thema Jugend: Zukunft der Kirche!

  • 18.10.18 10:33
  • Julia Rosner
  •   Im Auftrag des Herrn

„Dass dir halte der Mann, was er als Knabe gelobt.“ Mit diesem Hölderlin-Zitat hat Papst Franziskus die 15. Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan eröffnet. Sie steht unter dem Motto: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Unsere Autorin Julia Rosner ist dabei.

Franziskus hätte die Synode nicht treffender einleiten können: die heutige Jugend wird in einigen Jahren dafür verantwortlich sein, wie es mit der Kirche weitergeht. Was die jungen Menschen erlebt haben, werden sie entweder an die Folgegenerationen genauso weiterreichen oder sich dagegen wenden. Ich habe mein Praktikum in Rom ganz bewusst in die Zeit der Jugendsynode gelegt. Aus erster Hand wollte ich einmal erfahren, wie solch eine Weltversammlung abläuft und welche Gedanken die Teilnehmer in die Beratungen einbringen. Die Synode ist jedoch nicht nur aus journalistischer Perspektive spannend für mich. Ich selbst zähle zu der Gruppe, über die beraten wird: die 16 bis 29-Jährigen. Das heißt, viele Freuden, Sorgen, aber auch Zweifel, die Papst Franziskus im Vorfeld von Jugendlichen aus der ganzen Welt bei einer großangelegten Befragung erhalten hat und über die gerade gesprochen wird, habe ich selbst schon einmal erlebt.

Lob und Kritik am Prozedere

 (c) Julia Rosner

Die Eröffnungsmesse auf dem Petersplatz durfte ich von der Kolonnaden-Terrasse aus verfolgen. Fast alle 419 Synodenteilnehmer haben die Messe im vorderen Bereich des Petersplatzes mit dem Papst gefeiert. Zu sehen, wie viele Menschen gemeinsam über die Jugend beraten wollen, hat mir imponiert. Wenn gleich ich es ein wenig traurig finde, dass unter den Synodenteilnehmern nur gut 30 Jugendliche sind.

Sicherlich: es ist eine Bischofssynode. Dennoch erscheint es mir schwierig, über eine Gruppe von Menschen zu diskutieren, die nur wenig in die eigentlichen Beratungen einbezogen wird. Die sogenannten Auditoren, das heißt die Jugendlichen, die eine Einladung zur Synode vom Papst bekommen haben, haben keinerlei Stimmrecht. Sie dürfen, wie es der Name verrät, nur zuhören und mitdiskutieren. Das Leben der Jugendlichen ist jedoch komplex. Schon innerhalb eines Landes variiert es stark: bspw. zwischen Ost und West, Land und Stadt oder arm und reich. Deshalb hätte ich es für angebracht gehalten, nicht nur einen jungen Menschen pro Land zu den Verhandlungen einzuladen, sondern zwei oder drei.  Auch, dass von den Teilnehmern nur acht Prozent Frauen sind – und laut Tagungsagenda „die Rolle der Frau in der Kirche“ besprochen werden soll, halte ich für ausbaufähig. Dennoch finde ich die Organisation der Synode sehr gut: das Arbeitsdokument der Besprechungen, das sogenannte „instrumentum laboris“, besteht zu einem Drittel aus Stimmen von Jugendlichen, der Rest sind zu gleichen Teilen Beschlüsse der Bischofskonferenzen und des Papstes. Auch, dass der Papst während der Synode Jugendliche – auch die, die keine Auditoren sind – zu einem Treffen in die Audienzhalle eingeladen hat und sich dort über zwei Stunden ihre persönlichen Geschichten, Gedanken und Hoffnungen angehört hat, halte ich für sehr fortschrittlich. Ich selbst hatte das Glück, eine Karte für das Papstreffen zu bekommen. Einmal direkt unter den vielen jungen Menschen zu sein, die teilweise aus der ganzen Welt angereist waren, um „ihren“ Papst zu treffen, war eine tolle Erfahrung.

Die Hoffnung der Kirche ist jung

Bei den Pressekonferenzen, die ich besucht und den Interviews, die ich geführt habe – sowohl mit Geistlichen, als auch mit Jugendlichen – habe ich das Gefühl bekommen, dass die Anliegen der jungen Menschen der Kirchenspitze wirklich wichtig sind und, dass ernsthaft nach Zukunftsperspektiven gesucht wird. Ein Satz, den Jugendbischof Oster – einer der deutschen Synodenteilnehmer – in einem Pressegespräch gesagt hat, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir müssen als Kirche lernen, damit umzugehen und darüber diskutieren, dass für junge Menschen die Ästhetik des Glaubens und des Gebets an einigen Stellen vor dem Dogma kommt.“ Wenn die Bischöfe diesen tollen Gedanken sowohl in ihre Verhandlungen, als auch in das Abschlussdokument und die Planung für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte einfließen lassen, wäre das ein großer Schritt.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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