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Claus Hipp: Der gläubige Herr der Gläschen

  • 09.04.18, 12:38
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Der Wecker klingelt um 04.30 Uhr. Um diese Zeit steht Dr. Claus Hipp normalerweise auf. Nicht etwa, wie man es von einem Top-Manager eines Millionenunternehmens erwarten könnte, um sich an den PC zu setzen und Mails zu checken. Claus Hipp beginnt den Tag auf seinem Bauernhof in der Hallertau, im Norden des oberbayerischen Landkreises Freising, ruhig mit einem ordentlichen Frühstück. Danach schlüpft er meist in einen seiner vielen traditionell bayrischen Janker und fährt zur Wallfahrtskirche Herrenrast, ganz in der Nähe seines Bauernhofs, schließt die Türen auf und schaut, ob das “ewige Licht” auch wirklich noch brennt. “Mesner” nennt man in Bayern diesen Dienst. In anderen Regionen Deutschlands sagt man “Küster” dazu. Diesen Dienst absolviert Claus Hipp ehrenamtlich und mit großer innerer Freude und Demut - und natürlich ehrenamtlich. Vor einiger Zeit hat er das nahezu verfallende Gotteshaus fast im Alleingang gerettet. Bei der fälligen Renovierung bot er dem Ordinariat in München an, die Lohnkosten der Arbeiter zu übernehmen, wenn die Kirche das Material übernähme. Jetzt erstrahlt die kleine Kirche in neuem Glanz und Claus Hipp setzt sich nach getaner Küster-Arbeit gerne in eine der Kirchenbänke und betet. Dankbarkeit und Demut sind wichtig für Claus Hipp, gerade wenn der 74-jährige Unternehmer auf sein Leben zurück blickt.

Jurist und Bauer

Claus Hipp wächst als Nikolaus Hipp in einer großen Familie auf, umgeben von Kühen, Hühnern, Schafen und Pferden. Als eines von insgesamt sieben Kindern lernt er früh anzupacken und auf dem elterlichen Bauernhof mitzuhelfen. Auch während seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hilft er mit und übernimmt 1960 die Leitung des landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Da ist er gerade mal 21 Jahre alt. Vier Jahre später ist er bereits “Doktor der Rechte” und übernimmt 1967 auch die Leitung der HiPP-Betriebe und bis heute wird keine wichtige Entscheidung ohne ihn getroffen. Und meistens liegt er mit seiner Erfahrung, aber auch seinem Instinkt richtig.

Maler und Musiker

Wer einen Termin mit Claus Hipp am späten Nachmittag vereinbaren will, bekommt meist eine freundliche Absage, weil der Nachmittag Pinseln, Farbe und Leinwand gehört. Meistens ist Claus Hipp so ab 18.00 Uhr in seinem Atelier. Dann wird aus dem Geschäftsführer Dr. Claus Hipp der Maler Nikolaus Hipp. Er hat bewusst als Künstler seinen Taufnamen gewählt, sagt er, „um nicht den Bonus des Geschäfts auszunutzen.“ Und den braucht er auch gar nicht. Immerhin hat er die Malerei von der Pieke aus gelernt. Elf Jahre lang war er Schüler des Malers Heinrich Kropp in Schwabing. Hipp malt abstrakt und gibt normalerweise seinen Bildern keine Namen und keine Preise. Dennoch werden seine Bilder im fünfstelligen Bereich gehandelt. Mehrere Ausstellungen haben echte Hipps schon gezeigt, in zahlreichen Sammlungen und Museen ist seine Malkunst vertreten. Besonders gefreut hat ihn der Auftrag des Pfarrers der Münchner Frauenkirche. Mehr als ein halbes Jahr hat er an dem Bild gearbeitet, das heute drei Meter hoch und eineinhalb breit, in der Bennokapelle hängt. Und ausnahmsweise trägt dieses Bild doch einen Namen: „Et in vitam venturi saeculi“, übersetzt: “und an das ewige Leben.” Es ist der Schlusssatz des christlichen Glaubensbekenntnisses. Aber Claus Hipp malt nicht nur für sich, er gibt sein Wissen und Können auch weiter. Seit 10 Jahren vermittelt er Studenten an der Kunstakademie Bad Reichenhall als Lehrbeauftragter alles, was sie über gegenstandslose Kunst wissen müssen. Claus Hipp betont immer wieder, was ihm wirklich wichtig ist im Leben: seine Familie, seine Frau, seine Kinder und  Enkelkinder – und Gott. “Die Richtschnur meines Lebens ist der Glaube", sagt er und wird morgen wieder um 4.30 Uhr aufstehen, um die Wallfahrtskirche Herrenrast aufzuschließen.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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