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„Karol Wojtyla war schon zu Lebzeiten ein Heiliger“

  • 02.10.18 19:43
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Englisch. Sie haben einmal gesagt, dass Papst Johannes Paul II. Sie besonders geprägt hat. Inwiefern?

Ich habe gesehen, wie Johannes Paul II. mit nichts weiter als seinen leeren Händen und seinem Glauben die Welt zum Besseren verändert hat, das mächtige Sowjetreich hatte trotz seiner Armeen keine Chance gegen diesen Mann. Ich dachte irgendwann: Karol Wojtyla ist mehr als einfach ein alter Mann, das ist ein Bote Gottes. Papst Johannes Paul II. hat Menschen wie mich, die seit langem nicht mehr an Gott glaubten, zurück zu Christus geholt. Ich bin froh,  dass ich mich dafür noch persönlich bei ihm bedanken konnte.

Was machte diesen Papst aus?

Das Besondere an Karol Wojtyla war, dass er Gott so nah, so persönlich erlebte. Für Papst Johannes Paul II. war Gott ein auf dieser Erde tätige Gott, kein Gott, der nur in Büchern vorkam. Er war überzeugt davon, dass Gott auf dieser Welt ständig eingriff, zahllose Wunder wirkte und er glaubte auch daran, dass Gott ihm selber, während des Attentats des Jahres 1981 durch Ablenken der Kugel Mehmet Ali Agcas, der auf ihn geschossen hatte, das Leben gerettet hatte.

Welches besondere Erlebnis mit ihm ist Ihnen noch in lebhafter Erinnerung?

Ich werde den Moment nie vergessen, als Karol Wojtyla im Jahr 2000 an der Klagemauer in Jerusalem stand und  als erster Papst der Geschichte und seinen Gebetszettel in eine Nische der Mauer legte. Er entschuldigte sich damals für die Verbrechen die Christen Juden in der Geschichte angetan hatten und schwor, dass nie wieder Katholiken Juden Leid zufügen dürften. Damals stand der israelische Außenminister Rabbi Melchior neben mir und sagte mir, dass die Juden jahrhundertlang auf diesen Tag gewartet hätten und das jetzt ein neuer Abschnitt in der Geschichte beginnen könne.

Wie bewerten Sie seine Heiligsprechung?

Wenn es überhaupt Heilige gibt, dann war Karol Wojtyla mit Sicherheit schon zu Lebzeiten ein Heiliger. Selbst in der Zeit, als ich noch nicht an Gott glaubte, aber schon Karol Wojtyla auf Reisen begleitete, habe ich dieses unbeschreibliche Gefühl gespürt, dass nahezu jeden befiel, wenn er einen Raum betrat. Das besondere daran war, dass er Menschen durch eine kurze Begegnung wirklich verändern konnte, sie begannen alle unwillkürlich darüber nachzudenken, ob es nicht doch tatsächlich einen ewigen Gott gab.

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