(c) Tesfaye Petros

Missio: "Das ist mein Platz hier"

  • 25.10.18 10:54
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Petros, Sie sind für acht Gemeinden verantwortlich in Gambela. Was sind die größten Herausforderungen Ihrer Arbeit?

Ich bin katholischer Priester, aber ich bin vor allem auch Sozialarbeiter für die Menschen in Gambela. Ich komme nicht zuerst zu ihnen und habe die Bibel in der Hand. Ich muss diese Menschen in ihrem Leben und beim Überleben unterstützen und begleiten, denn Gambela ist eine der ärmsten Regionen Äthiopiens. Es geht darum, die Menschen zu versorgen, mit Nahrung, Wasser und Medizin, aber auch darum, den Kindern zu helfen, ihnen zum Beispiel die Möglichkeit zu geben, zur Schule zu gehen.

Welche Zukunft sehen die Menschen in Gambela für sich und ihre Familien?

Als ich vor 14 Jahre hierhin kam, herrschte eine große Hoffnungslosigkeit. Die Menschen hatten keine Hoffnung. Das hat sich mittlerweile etwas verändert. Und das hat nicht nur mit unserer sozialen Arbeit zu tun, sondern auch mit dem Wort Gottes und seiner Botschaft. Ich fahre aber die Menschen auch ins Krankenhaus, weil das nächste 50 Kilometer entfernt ist, in der Hauptstadt der Region. Die Bildung der Mädchen ist eine große Aufgabe, weil Mädchen in der Klutur und Mentalität der Menschen dort nicht zur Schule gehen, sondern im Haushalt oder bei der Arbeit helfen sollen. Unsere Kirche macht beides. Wir verkünden das Wort Gottes und wir helfen und unterstützen die Menschen.

Wie wichtig ist das Evangelium für die Menschen in Gambela?

Das ist sehr wichtig für sie. Sie wollen die Botschaft hören, sie sehnen sich danach. Aber wir erzählen ihnen nicht nur von Jesus und von Gott. Es geht immer auch um Wertevermittlung und darum denen Hoffnung zu geben, die keine Hoffnung mehr haben. Dabei hilft uns die Botschaft Jesu sehr.

In Ihren acht Gemeinden leben insgesamt 27000 Katholiken. Wie erreichen Sie die?

Sie können nicht alle regelmäßig besuchen. Dazu leiegn die Dörfer zu weit auseinander. Außerdem ist es dort von Januar bis Juli extrem heiß und Gambela gehört zu den gefährlichsten Malariagebietn Äthiopiens. Um die Menschen am Fluß zu erreichen bin ich am Anfang auch durch das Wasser gegangen, trotz der Krokodile, jetzt fahre ich mit dem Kanu und immer mit mehreren Leuten, weil es sonst zu gefährlich ist.

Sie strahlen, wenn Sie trotz aller Schwierigkeiten von Ihrer Arbeit erzählen. Warum?

Ich bin vor 14 Jahren hierhin gekommen. Wenn ich mir anschaue, wie die Menschen in Gambela jetzt leben, dann macht mich das schon glücklich. Es gab keinen Kindergarten Wir haben unter einem Baum angefangen, der Schatten gespendet hat. Auch dank missio haben wir jetzt einen und die Kirche ist auch renoviert. Vor allem aber gibt es füpr viele Kinder eine Perspektive, weil sie in die Schule gehen können. Meine Familie hat mich oft gefragt, warum kommst Du nicht zurück? Aber ich weiß, dass Gott mich hier haben will. Hier ist mein Platz.

Infos zu Missio finden Sie hier

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2018.

Zur AdventsZeit 2018 »